Seelen des Orient

Heldinnen wie aus 1001 Nacht: jede muss ihre Grenzen überwinden, Prüfungen bestehen um ihr individuelles Glück zu finden in meinem neuen Märchenbuch.

Zafirah, die sich selbst im Wege steht

Feray, die vom Unglück zum Glück schwimmt

Fatima, die aus der Zisterne empor steigt

Selima, die verzauberte Königin, die ihre Liebe findet

Leyla, die zu den Sternen reist um frei zu sein

Jemina, die Yussef den Seelenfahrer erlöst

Rayya, die gegen Dämonen kämpft

Die kleine Wüste, die schwebend ihre Liebe sucht

Mirjama, die ihrem Schicksal entfliehen will

Calandé, die eine Wüste ergrünen lässt

Hafiza, die ihre Arme und ihr Glück findet

Samira, die ihrem Schicksal folgt und ihr Heil findet


aktuelles Projekt

Zwölf neue Abenteuer die den Leser von der nördlichen Tundra bis ins Eismeer unter dem Nordpol führen, quer durch die magischen Nächte der Nordlichter.

 

Höchst erfreulich und belehrend
ist es doch für jedermann,
wenn er allerlei Geschichten
lesen oder hören kann.
von Wilhelm Busch

 

Leseprobe

Mirjama und der Mondkönig

»Niemals!«, rief Mirjama aus und warf ihre Muschelschale voller Meeresoliven auf den Palastboden, direkt vor die Füße des Königs des Meeres. Traurig sah dieser auf seine jüngste Tochter und strich sich betrübt durch seinen langen, dichten grünblauen Bart.
In Mirjamas dunkelgrünen, langen Wimpern hingen Tränen der Trauer und des Zorns.
»Mein liebes Kind«, versuchte die Mutter zu beschwichtigen »versuch doch zu verstehen. Wir müssen dem Orakel gehorchen. Du wurdest nun mal erwählt, den Himmel und das Meer zu einen.«
»Ich soll verstehen, dass ihr mich an einen weit entfernten, eisigkalten Herrscher verschachert? Dass ihr mich einfach so an die Himmelsgestirne ausliefern wollt?«, schimpfte Mirjama.
»Das Schicksal unseres ganzen Volkes hängt davon ab«, sprach der König mit sanfter Stimme wieder auf sie ein.
»Ich soll das verstehen und hinnehmen. Aber keiner versteht mich, nimmt Rücksicht auf meine Wünsche, zum Beispiel mir den zum Manne zu nehmen, den ich liebe und der mich liebt! Opfern wollt ihr mich auf dem Altar der Gezeiten! Niemals!« Und wütend schlug Mirjama mit ihrem schönen silbergeschuppten Fischschwanz auf, dass es sie schmerzte.
»Mirjama. Es ist deine Pflicht. So wie es schon seit Anbeginn der Zeiten die Pflicht einer Tochter des Meeres ist, die Verbindung mit dem Reich des Mondes einzugehen, um damit unser aller Fortbestand zu sichern«, sprach der König beschwörend auf sie ein, während er liebevoll seinen Arm um sie legte.
»Verdammt soll es sein, dieses elende Orakel! Ausgerechnet mich zu verkaufen und verraten«, murrte Mirjama weiter.
»Schweig, Kind! Versündige dich nicht!« Bei diesen seinen Worten legte sich die Stirn des Königs in Falten, in denen das feine Moos sichtbar wurde, welches seine alte Haut überzog.

Noch während Mirjama den Arm ihres Vaters wie eine lästige Meeresalge abschüttelte, verdunkelte sich die große Halle des Palastes über ihnen. Wie aus dem Nichts einer dunklen Wolke erhob sich die uralte, in dunklem Silber schimmernde Gestalt der alten Wellenherrscherin Ondinae. Alles Meervolk, außer Mirjama, verneigte sich ehrfurchtsvoll vor der alten weisen Frau. Ondinae sprach mit klarer, keinen Widerspruch duldender Stimme zu Mirjama: »Das Orakel richtet das Schicksal der Welt und auch das deine. Was denkst du, wer du bist, um dich dem Schicksal zu entziehen, welches das Orakel für dich vorgesehen hat? Morgen mit der ersten Flut wirst du an die Gestade des Meeres von A’hat’Taif reisen und den Mondkönig empfangen! Nur durch deine Ehe mit ihm sichern wir die Gezeiten und damit den Fortbestand unserer Welten und die der Menschen.«
»Niemals!«, murmelte Mirjama nun etwas eingeschüchtert, aber immer noch dickköpfig. »Eher will ich in einem alten Brunnenloch verschimmeln, als mich irgendeinem vom Schicksal bestimmten, ungeliebten Mann zu unterwerfen. Himmel und Meer werden auch so weiter bestehen. Und was kümmern mich die Menschen und ihre Welt?«

»Dein Wunsch soll dir erfüllt werden«, rief die alte Ondinae Ehrfurcht gebietend aus und wob eine dichte Zaubergischt um das widerspenstige Mädchen. Das sprudelnde, tobende Wassergebilde hob die arme Mirjama empor und trug sie durch die offene Kuppel der großen Palasthalle hinaus. Quer durch das Meer von A’hat’Taif trug die Zaubergischt Mirjama. Sie flog mit ihr über die Küste, deren Strand, dessen Ebbe im Mondlicht schimmerte. Sie trug sie hinweg über Wüsten, Berge und Täler, entlang dichter Palmwälder, um sie mitten in einem dunklen verlassenen Palmenhain in einem großen Brunnen abzusetzen. Die Zaubergischt vereinte sich mit dem Quellwasser ließ und Mirjama einsam in dem alten, bereits etwas baufälligen Brunnenloch zurück. Verloren blickte die arme kleine Nixe um sich und wusste nicht, wie ihr geschehen war. Das Mondlicht schien freundlich auf sie herab, während sie zwar niedergeschlagen, aber immer noch trotzig nach dem ersten Schreck ihr neues Heim zu untersuchen begann. Gefangen war sie, in diesem vermaledeiten Brunnen, aus dem es kein Entrinnen zu geben schien, denn das Wasser führte nur zu einer Quelle im dichten Palmenhain.

...

und noch mehr davon erzählt von Rena Larf, 1000 Miks online Radio - der Märchengarten: anhören